Phase 2: Konsolidierung und Beteiligung
Gespräche und Konferenzen mit Haupt- und Ehrenamtlichen.
Bis 2026.
Die Erhebungsphase
Im Mittelpunkt stand die Frage: Wo stehen wir als Kirchenkreis Berlin Stadtmitte – und was brauchen wir, damit Kirche auch in Zukunft lebendig, wirksam und nah bei den Menschen sein kann?
Dafür haben die beiden externen Organisationsberater*innen zahlreiche Gespräche, Workshops und Diskussionsformate mit unterschiedlichen Gruppen aus dem Kirchenkreis geführt. Ziel war es, möglichst viele Perspektiven sichtbar zu machen: von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Leitung und Verwaltung, von kirchlichen Orten und Einrichtungen sowie von ferneren Kirchenmitgliedern.
In die Erhebung einbezogen wurden:
- die verschiedenen Konvente:
- Pfarrkonvent
- Konvent für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
- Kirchenmusiker*innenkonvent
- Jugendkonvent
- Küster*innenkonvent
- Geschäftsführende und Büroleitungen der fusionierten Gemeinden
- die XXL-Runde mit Vertreter*innen aus Diakonie, kirchlichen Orten, Kita- und Friedhofsverband sowie assoziierten Unternehmen
- Ehrenamtliche in zwei Ehrenamtskonferenzen
- zentrale Leitungs- und Steuerungsgremien:
- Haushaltsausschussvorsitzender
- Steuerungsrunde
- Kreiskirchenrat mit Transformations Power House
- Superintendent*innen
Ein Abend mit Ausgelosten: 250 zufällig ausgewählte Kirchenmitglieder wurden eingeladen, gemeinsam über die Zukunft von Kirche ins Gespräch zu kommen. Rund 30 Menschen nahmen teil und entwickelten in kreativen Kleingruppen Perspektiven und Ideen.
Was wurde sichtbar?
Die Rückmeldungen aus den unterschiedlichen Bereichen waren vielfältig. Gleichzeitig zeigten sich einige Themen immer wieder – über Berufsgruppen, Gemeinden und Perspektiven hinweg.
Strukturen müssen sich verändern
Ein zentrales Ergebnis der Erhebung: Viele bestehende Strukturen passen nicht mehr zu den aktuellen Herausforderungen.
Genannt wurden insbesondere:
- komplexe und langsame Entscheidungswege
- hohe Belastungen durch Verwaltung, Immobilien und Gremienarbeit
- fehlende professionelle Unterstützung in zentralen Bereichen
- Doppelstrukturen und uneinheitliche Prozesse
- Überforderung von ehrenamtlichen Leitungsgremien
Dabei wurde deutlich: Es geht nicht um weniger Engagement, sondern um bessere Rahmenbedingungen. Menschen wünschen sich, ihre Zeit und Kraft stärker für Inhalte, Begegnung und Gestaltung einsetzen zu können.
Weniger verwalten – mehr ermöglichen
Besonders häufig wurde der Wunsch nach einer stärkeren Konzentration auf die eigentlichen kirchlichen Aufgaben formuliert.
Dazu gehören:
- funktionierende zentrale Dienste, die vor Ort entlasten
- professionelle Unterstützung bei Immobilien, Digitalisierung, Kommunikation und Fundraising
- klare Zuständigkeiten und schnellere Entscheidungen
- weniger Energie für interne Abläufe und mehr Zeit für Menschen
Gleichzeitig wurde immer wieder betont: Lokale Nähe bleibt wichtig. Kirche braucht Orte, Gesichter und Beziehungen im Kiez.
Die häufig genannte Perspektive lautet deshalb:
Zentralisieren, was besser gemeinsam funktioniert – und stärken, was vor Ort Beziehung schafft.
Neue Rollen und Zusammenarbeit
In vielen Gesprächen wurde deutlich: Auch die Rollen innerhalb von Kirche verändern sich.
Besonders für Pfarrpersonen wurde eine Bewegung beschrieben:
- vom Versorgen aller zu stärkerer Schwerpunktsetzung
- vom Einzelkämpfertum zur Zusammenarbeit in Teams
- vom „alles selbst machen“ zum Ermöglichen, Vernetzen und Entwickeln
Viele wünschen sich multiprofessionelle Teams, in denen unterschiedliche Kompetenzen auf Augenhöhe zusammenwirken.
Kirche für mehr Menschen öffnen
Ein weiteres starkes Thema war die Frage nach Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Reichweite.
Viele Rückmeldungen machten deutlich:
Kirche soll nicht nur für die Menschen da sein, die bereits dazugehören, sondern stärker in die Stadt hineinwirken.
Genannt wurden unter anderem:
- neue Formen von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
- niedrigschwellige Angebote
- Kirche an anderen Orten im Kiez
- stärkere Zusammenarbeit mit Schulen, Kultur, Diakonie und gesellschaftlichen Partnern
- Angebote für Menschen, die bisher wenig Berührung mit Kirche haben
Dabei wurde deutlich: Die Sehnsucht nach Spiritualität, Gemeinschaft und Sinn ist vorhanden – aber nicht immer in den bisherigen Formen.
Orte neu denken
Die Bedeutung kirchlicher Räume wurde intensiv diskutiert.
Einerseits sind Gebäude wichtige Orte von Heimat, Begegnung und Identifikation. Andererseits binden sie viele Ressourcen.
Viele Ideen zielten darauf, Kirchen und andere Räume stärker als offene Orte im Kiez zu nutzen:
- Begegnungsräume
- Kulturorte
- Bildungsorte
- soziale Anlaufstellen
- Orte für Spiritualität und Gemeinschaft
Dabei wurde immer wieder betont: Nicht jeder Ort muss alles anbieten. Unterschiedliche Orte können unterschiedliche Profile entwickeln.
Neue Formen von Gottesdienst, Spiritualität und Gemeinschaft
Viele Beteiligte wünschen sich eine größere Vielfalt kirchlicher Angebote.
Genannt wurden beispielsweise:
- neue Gottesdienstformen
- spirituelle Formate jenseits klassischer Liturgien
- Segensangebote für unterschiedliche Lebenssituationen
- Glaubenskurse und theologische Bildung
- kulturelle Formate mit Musik, Kunst und Begegnung
- Angebote für Familien, Jugendliche und Senior*innen
Die Grundidee: Kirche darf ihre Tradition bewahren und gleichzeitig neue Ausdrucksformen entwickeln.
Ehrenamt stärken
Von ehrenamtlich Engagierten wurde deutlich zurückgemeldet:
Ehrenamt lebt von Beziehung, Sinn und Gestaltungsmöglichkeiten.
Gewünscht wurden:
- weniger Verwaltungs- und Organisationslast
- klare Rollen zwischen Haupt- und Ehrenamt
- bessere Unterstützung und Begleitung
- Anerkennung von Zeit, Erfahrung und Kompetenz
Ehrenamtliche wollen nicht Hauptamtliche ersetzen – sie wollen gemeinsam Kirche gestalten.
Das sagen Beteiligte und Engagierte
Die Konfis suchen sich ihre KonfiZeit unabhängig von ihrem Wohnort aus. Entscheidend ist, ob das Modell sie anspricht und der Wochentag bzw. Rhythmus ins Leben passt. Transformation heißt für mich: Als Kirche gemeinsam Angebote schaffen, die sich ergänzen und nicht konkurrieren.
Timo Versemann
Pfarrer
Transformationsprozess im Kirchenkreis heisst für mich, gemeinsam mit anderen kreative Wege zu finden, um Ungewissheiten zu gestalten und dabei niemanden aus den Augen zu verlieren.
Pfarrerin Beate Klostermann-Reimers
Krankenhaus-Seesorgerin
Start der Zusammenarbeit mit der Kommunikationsagentur gobasil
Für die Kommunikation rund um den Transformationsprozess haben wir uns Unterstützung gesucht. gobasil entwickelte ein Motto, das den Prozess nicht als Ausnahmezustand beschreibt, sondern als das, was Kirche eigentlich immer schon ist: im Werden, in Bewegung, offen für Veränderung. Der theologische Ankerpunkt: die Bergpredigt. »Ihr seid das Licht der Welt.« Oder kurz: Werde Licht. Viele kleine Lichtpunkte ergeben Strahlkraft. Das passt zur Stadtmitte Berlins, zur Vielfalt des Kirchenkreises und zur Idee, dass Transformation immer gemeinschaftlich gelingt.